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Die Königstochter auf der Virneburg |
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Vor dem Dorfe Siebenbach an der Hohen Acht saß in der Abenddämmerung ein Dorfgeist und hielt Wache. Da kam auf einsamem Wege ein zartes Jungfräulein daher. Es war sehr schön, hatte goldschimmernde Haare und braune Augen. Zaghaft blieb es vor dem Dorfgeiste stehen und sagte: "Ich bin eine Königstochter aus einem fernen Land. Niemals mehr kann ich heim zu meinem Vater; denn der Herr in der Virneburg hält mich in seinen Zauberbann. |
| Nie darf ich länger ausbleiben als sein Schlaf dauert. Nun
schläft er; aber bin ich nicht in der Burg, wenn er aufwacht, setzt er
seine drei großen Hunde auf meine Spur, die mich überall finden werden
und zurückbringen. O, ich habe so großes Heimweh nach meinem
Vater!" „Du dauerst mich", sagte der Dorfgeist freundlich, „darum
will ich dir einen Rat geben. Geh dort an den kleinen Bach und wasche dich
siebenmal, sodann schöpfe mit der hohlen Hand das Wasser und trinke
siebenmal! Hast du das getan, so gehe durch den großen Wald jenseits des
Dorfes. Manches wird dir begegnen, was dich ängstigt, aber sei guten
Mutes und eile munter fürbaß. Raffe aber deine goldenen Haare zusammen
und binde sie unters Kinn, dass kein frecher Waldgeist daran raufen kann.
Hinter dem Walde wartet ein Reitknecht. Frage ihn nichts, sondern besteige
eines der schnellen Pferde, und bald wirst du bei deinem Vater sein!"
Die Prinzessin dankte freudigen Herzens ihrem Retter und tat, wie ihr
aufgetragen ward. Durch Nacht und Nebel, Durch fremde Städte und Länder
trug sie das windschnelle, nimmermüde Roß, bis ihr der Stumme Begleiter
im aufleuchtenden Morgenrot die Zinnen des väterlichen Schlosses zeigte.
Kaum aber war sie am Ziel dem Sattel entstiegen, da waren Roß und Knecht
verschwunden. |
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Heinz Müller (aus: Heimat zwischen Rhein und Mosel, Verlag Louis Schreder, Mayen) |
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